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Startseite aus den Fachbereichen Deutsch und Künste Darstellendes Spiel 2007/08 Kritik zu "DAS SPIEL IST AUS"
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LES JEUX SONT - ILS FAITS ?

Sartres „DAS SPIEL IST AUS“ an der Käthe-Kollwitz-Oberschule

Sich an den Großmeister des Existenzialismus wagend, reflektierte die Inszenierung des 13er Jahrgangs Grundfragen wie den Konflikt zwischen gesellschaftlichen Zwängen und individueller Entscheidungsfreiheit.

 

 

Was ist die Geschichte?

 

Arbeiterführer Pierre, der den Umsturz des Regenten plant, und Eve, die Frau des Polizeipräsidenten, kommen zu Tode. Er, weil er von einem Spitzel erschossen wird; sie, weil ihr Ehemann sie vergiftet, um sich an die kleine Schwester heranmachen zu können.

 

Im Totenreich fast angekommen, müssen die beiden wie alle anderen Toten erst die Hürden der Bürokratie überwinden. Ohne Stempel und Unterschrift geht da gar nichts, denn die Toten kommen und gehen, aber die Bürokratie bleibt!

 

Aber, so fragt das Stück, was wäre wenn man noch einmal leben könnte, um es besser zu machen?

 

Der Tod steht Eve und Pierre zwar gut, aber in der Schattenwelt wird ihnen die unerträgliche Leichtigkeit des Totseins von den Grateful Dead, bspw. von einem geköpften Monarchen (Paul), so charmant, aber unmissverständlich klargemacht, dass sie nicht nur ihr Für-einander-bestimmt-Sein entdecken, sondern auch den dringenden Wunsch, wieder unter die Lebenden zu kommen. Schließlich haben sie noch etwas zu erledigen, was seine Revolution respektive ihren ungetreuen Ehemann betrifft.

 

Dank § 140 (Einsprüche und Reklamationen) der Unterweltverfassung (Die Hölle selbst hat ihre Rechte!) wird ihnen eine zweite Chance als treues Liebespaar auf Erden vergönnt, wenn sie die ersten 24 Stunden ohne Untreue überstehen.

 

Dass dies scheitert an den fatalen bürgerlichen Verhältnissen, an Misstrauen und Missverständnissen, ist bei Sartre nicht anders zu erwarten, denn nichts läge ihm ferner als ein kitschiges Kleinbürgeridyll am Schluss. Die Inszenierung rafft an dieser Stelle deutlich, was aber nicht den Gesamteindruck schmälert. So verzweifeln und sterben die Protagonisten (erneut) nicht an der ignoranten Bussigesellschaft im Café, sondern an der Unmöglichkeit, sich in Zeiten des Klassenkampfes aus ihrem sozialen Gebundensein zu lösen.

 

Am Ende bleibt den zurückgekehrten Unterweltlern und dem Publikum die Hoffnung, dass andere Liebende sich finden und wie einst Orpheus und Euridike vielleicht den Weg zurück aus dem Hades finden.

 

Auf unserer Bühne gelingt eine bildkräftige Umsetzung des stark kopflastigen Stoffes. Die melancholische Leichtigkeit der Aufführung entsteht u.a. aus der stimmigen Musik zwischen Musette und Tango, aus dem schwebenden Umbau zwischen Rokoko- und Bolschoiballett. Aber auch die Farbenlehre und die Markierung der Toten als freie, barfüßige Bleichgesichter gegenüber den beschuhten, aber buchstäblich gefesselten Lebenden sorgt für klare Trennung des oft parallel agierenden Personals.

 

Der an Chaplins Hynkel oder an Mel Brooks erinnernde Regent (ein Kabinettstück für Alexander) und das unschlagbare Bürokratenduo (Sarah, Frances) sorgen für die komischen Highlights des Abends. Die lebenden und toten Liebenden (Svea, Felix bzw. Helene, Paul) bringen sehr typgenau (man denke nur an Felix´ hölzernes Rollenspiel oder Helenes sehr bourgeoise Emanzipiertheit) die Verwerfungen im gesellschaftlichen bzw. ehelichen Machtkampf auf den Punkt. Svea verkörpert die verzweifelte Wirkungslosigkeit des Einzelnen wohl am besten.

 

Als Zuschauer ist man herausgefordert, wenn auch auf die augenzwinkernde Art. Was dem dankbaren Publikum bleibt, ist außer dem Genuss einer stimmigen, spannenden und unterhaltsamen Inszenierung auch eine Frage: „Und was machen wir nun mit diesem neuen Leben?“