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Startseite aus den Fachbereichen Deutsch und Künste Darstellendes Spiel 2006/07 Kritik zu "Spieglein..."
2006/07 Kritik zu "Spieglein..." PDF Drucken E-Mail

Nicht sehr GRIMMig
verlief sich das hoffnungsvolle Publikum in unseren Aulawald, um dem Treiben des Grimmschen Märchenpersonals (speziell der Prinzessinnen und ihrer Ladykiller) zu folgen, was zunehmend zu äußerst vergnüglicher Atemnot führte.
Gegeben wurde der „klassische“ Whodunnit vom Casting der „Schönsten“ und dem Verschwinden des Hauptgewinns (der bewusste Spiegel) in dieser Folge von S.S.D.S. (Spiegel sucht die Superprinzessin).
Bühnenbild und Musik (Alan Parsons, Right Said Fred, Cool and the Gang u.a.) verwiesen von Anfang an recht schmissig auf die Gegenwart und parodierten die Klischees aus den russischen Märchenfilmen und ihren DEFA-Pendants.
Doch nun zur Handlung:
Großmutter hat den Spiegel als Preis für o.g. Schönheitswettbewerb der Prinzessinnen  gestiftet und darf deshalb zwischen dem gestiefelten Kater und dem Wolf in der Jury sitzen.
Für Verwirrung im Hintergrund sorgen drei Hexen, die den Spiegel rauben wollen, sowie die 13. Fee, jaja, die, die nicht eingeladen war!!! Eine von den Hexen wird undercover – quasi umgekehrt zu Charlie´s Angels – in die Prinzessinnengruppe eingeschleust, natürlich nach kosmetischer Sonderbehandlung.  
Somit ist klar, dass die Castingshow nicht „normal“ über die Bühne gehen kann. Aber was ist schon „normal“ an einer Castingshow, wenn die Mädels eine Botoxparty nach der anderen feiern, sich gegenseitig die Fassaden ruinieren und der gestiefelte „Obercaster“ selbst der beste Catwalker ist. Doch nicht nur dessen Ego dominiert den Hühnerhof der Schönen. Da gibt es auch noch den gar nicht so zivilisierten „BigBadWolf“, dessen sehnsüchtiges Verlangen nicht nur nach Rotkäppchen sich gegen Ende auch im Fetischsammeln zeigt.
Da haben es Cinderella, Schneewittchen (die ist für den Weltfrieden und die Integration der sieben Zwerge), die Prinzessin auf der Erbse, Dornröschen, Rapunzel und selbst die eingeschleuste Hexe Mandy schwer. Nur Schneeweißchen und Rosenrot rappen sich einigermaßen aus der Misere, indem sie alle anderen gehörig dissen.
In diesen Haufen aufgescheuchter [censored] kann selbst ein aufgeklärter Schneider nebst Rotkäppchen keine Ordnung bringen. Er merkt zwar, dass es aussieht wie bei Hempels unterm Sofa, bringt aber in dem Chaos selbst die Sprichwörter durcheinander.
Als dann der Spiegel aus der Obhut des leicht angetüterten Fischers entwendet wurde und jeder verdächtigt wird, tritt der Förster mit dem SEK (Schweine-Einsatz-Kommando) an, um nicht die Welt, aber den Spiegel zu retten. Man ermittelt gegen die üblichen Verdächtigen, kann aber niemanden festnageln.
Außerdem passt dem Prinzen das Fehlen des Spiegels, kann er sich doch so als erster Preis ins Spiel bringen und seinem Narzissmus frönen.
Schließlich hat das SEK dann aber doch die Hexen als Missetäter gefasst und alles ist gut.
Doch halt! Inzwischen hat die Großmutter den Spiegel so liebgewonnen, dass sie ihn nicht mehr hergeben will. Nun glaubt der Prinz eine zweite Chance zu bekommen. Doch die Prinzessinnen…. Nein, das Ende wird nicht verraten.
Nur soviel: Trotz Beschleunigungsbedarf im zweiten Teil ist das Stück ein echtes Vergnügen. Paul I als very britisher Kater und Paul II als sehr testosterongesteuerter Wolf in Baggypants liefern eine prächtige Show, ebenso brillieren sämtliche Prinzessinnen sowie Felix als Hausmeister „Snyder“. Überhaupt kann erfreulicherweise von einer tollen Ensembleleistung gesprochen werden und besonders die Tatsache beigeistert, dass Skript und Regie aus den Reihen des Kurses gestemmt wurden.
Fazit: Hingehen und selber Spaß haben !!!
Das Stück läuft noch Dienstag und Mittwoch.

W.W.