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2010 Kritik zu Experiment M.O.N.D. |
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Experiment M.O.N.D. oder Wie die Wende wirklich war und warum sie (fast) nicht geklappt hat
Draußen fegen die letzten Winterschauer ums Haus, im Saal wirft der Scheinwerfer den Kronleuchterschatten als ein imaginäres ISS-Abbild an die Wand und auf dem Mond wird gecampt, glaubt man.
Da hocken sie also buchstäblich hinterm Mond, getrennt von ihren Brüdern und Schwestern, die vor dem Mond sitzen. Beide sehr deutschen Volksstämme werden unverhofft miteinander konfrontiert, weil die – westlunare - Jeunesse dorée ein Raketenexperiment vergeigt, es in den ostmondischen Sand setzt und fast die armselige – ostige – Behausung der Familie Untermaier pulverisiert. Die Untermaiers wissen mit diesen Helden in Strumpfhosen zuerst nichts anzufangen, müssen eher noch fürchten, in die Fänge der GUSI zu geraten. Dass den Mond eine unschöne Mauer wie ein Meridian trennt, merkt jetzt auch der gemächlichste Denker. Mutter und Opa Untermaier (Nora und Richard) konspirieren für die Wende, ohne etwas voneinander zu wissen, Tochter Jennifer (Julia) träumt vom Märchenprinzen. Tochter Lilly (Nele) bemüht sich um ein klares Weltbild. Nur Papa Uwe (Maximilian) ist ein treuer Genosse, hat aber meist nur Angst um die Familie. Die drei westlunaren Crashkids mischen diese klassische ostlunare „Idylle“ gründlich auf. Der Android Klaus-Peter (Tim) zieht Papa Uwe trotz dessen Kontaktängsten in eine jeden ADAC-Vertreter entzückende Fachsimpelei bei der Reparatur des Wracks. Die Konsumprinzessin Sarah-Marie (Lisa) verstrickt Tochter Lilly ruck-zuck in die Widersprüche ostlunarer Mangelwirtschaft und Medienlenkung. Und schließlich schenkt Märchenprinz Jan-Hendrik (Ole) Tochter Jennifer (Julia) ein grandioses Makeup, aber später doch der toughen Realistin Lilly fast sein Herz. Die Handlung drumherum kennt man aus der Wendezeit: Die Revolte entwickelt sich trotz GUSI-Unterdrückung; Mutti und Papa hübschen ihre Beziehung wieder auf und der Mond wird wieder ein ganzer. Dass die Nachrichten am Ende von einem Anschlag auf dem Mond berichten und somit die weitere Entwicklung im Ungefähren verbleibt, stellt den Erfolg der Revolution in Frage. In dieser Parabel auf die Wende zeigt sich platterdings der Ostler eher als Konkretdenker und der Westler als Ich-Denker. Wer bietet uns was? Android Klaus-Peter erinnert intensiv an C3PO, den geschwätzigen und angstgesteuerten Star-Wars-Roboter: Eine sehr spezifische Dreh-Leistung Tims mit vielen Lachern beim Publikum. Mutter Martina alias Nora kann mit einigen sehr präzise gebotenen Passagen glänzen und Richard als Opa verkörpert überzeugend die nicht indoktrinierbare ältere Generation. Maximilian zeigt einen etwas deklamatorischen Familienvater. Ole, der Märchenprinz in Pelz und Strumpfhosen erzeugt viele Lacher dank einer Melange aus Wiener Schmäh und bayerischer Selbstsicherheit.
Aus dem Plot ist noch etwas mehr herauszukitzeln. Das werden die nächsten Vorstellungen sicher deutlich machen. Der Spaß ist es wert. W.W.
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