| 2007 ÜLSTEDT ist überall! |
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Ein Virus geht um an unserer Schule, kein schleichender, kein hinterhältiger, kein tödlicher; aber doch ein Virus. Man könnte ihn virus theatralis kollwitziensis nennen. Der mimetische Virus hat nun also auch die zehnten Klassen erreicht, nachdem schon die dreizehnten und zwölften der Flöte dieses Rattenfängers folgten. Und in folgender Mimikry zeigte sich die Verführung:
Max hält als Moderator in bester valentinscher/schneiderscher Tradition eine sehr verzögerte Begrüßungsrede in allerfeinstem Phrasendeutsch und kämpft mit der Tücke des Objekts Mikrofon. Als nächster Punkt des Programms tritt Julia auf und parodiert als wunderbar friedensbewegt-naive Sängerin „Sag mir wo die Blumen sind“. Das führt nach amüsiertem Gelächter des Publikums zu heftigen Reizreaktionen [„Das klingt Scheiße!“] des „Publikums“, welches sie schließlich von der Bühne nötigt. Dieses „Publikum“ mutiert zur Schülerzeitungsredaktion. Die frustrierte Redaktion sucht verzweifelt nach einem guten Aufhänger für die Ausgabe zum Schuljahresbeginn und kommt nach umständlichem Gesuche – sehr hübsch die Papierarbeit – auf die Frage nach den Ursachen von Rassismus: Was ist Rechts? Was ist ge-Recht? Was ist un-Recht? Teilweise im Stil brechtscher Lehrstücke beginnt eine bis ins Orgiastische gehende Diskussion anhand von Gummibärchens Farbpalette bzw. der Kopftuchfrage und endet damit, dass man keine konkrete Haltung hat. Um das zu ändern, wird ein Versuch gestartet. Leise Anklänge an „Die Welle“ und „Das Experiment“ werden deutlich. Die Rollen als „Linker“, „Rechter“, „Opfer“ usw. werden dabei sehr intensiv ausgelotet. Die Sache gewinnt Eigendynamik und gerät schließlich aus dem Ruder – „Ich habe nichts gegen ein leichtes nationales Kribbeln im Bauch.“ Unterbrochen wird das Rollenspiel mit einer „Gutenachtgeschichte“ über Grölie, den Baseballschlägerbesitzer, der schließlich niemanden mehr zum Verhauen hat und sich umbringt. Doch nach einer sehr „intensiven“ Morgentoilette und der Feststellung: „Ülstedt ist so langweilig.“, geht das Experiment weiter, unter anderem mit einer Publikumsbefragung auf offener Bühne. Julia, die das ausgegrenzte Opfer spielen muss, sieht bei ihren Mitspielern keinen Unterschied mehr zwischen Spiel und Realität. Die zucken nur mit den Schultern und meinen: „Wir sind einfach zu gute Schauspieler“ (Kleiner Wink an die anwesenden DS-Lehrerinnen). Schließlich wird es Julia zu bedrückend und sie will Ülstedt in Richtung Großstadt verlassen und „bis zu den Plattenbauten kommen, dort ist die Zukunft.“ Ihr sehr anrührender Abschiedsbrief erregt die erneute Wut der anderen Experimentierer, die sie schließlich hinausprügeln. Der Epilog bringt das sehr poetische Ende in einem Gedankenflug, der zwar nicht durch Picassos Friedenstauben, aber immerhin durch Papierflieger verstärkt wird.
Was hatten wir da? Okay, der Sprachduktus war manchmal etwas hölzern. Okay, der philosophische Tiefgang wirkte teilweise etwas aufgesetzt. Okay, der Plot rumpelte ein wenig.
ABER: Max (Text und Regie). „Julia“. „Joey“. Und andere mehr. Und sie haben (fast) alles allein organisiert.
Es war ein großer Spaß. Es ist ein großer Spaß. Heute Abend 19 Uhr zum zweiten Mal. W.W.
Dienstag, 03.07.2007 |



